französische Kunst.

französische Kunst.
 
Die Geschichte der französischen Kunst setzt um die Jahrtausendwende ein, als sich die Kunst des Westfränkischen Reichs von der deutschen Kunst abzuheben begann. Sie entstand in einem der ältesten Kunstzentren der Erde (römische Kunst, keltische Kunst, merowingische Kunst, karolingische Kunst) und bestimmte die künstlerische Entwicklung in Europa wesentlich mit.
 
 
 
Die Romanik auf französischem Boden ist nicht wie in Deutschland überregional einheitlich, sondern, der politischen Aufgliederung entsprechend, landschaftlich sehr verschieden. Man unterscheidet insbesondere Stilmerkmale der Normandie, der Provence, des Poitou, der Auvergne, des Périgord und Burgunds. Um 1000 traten in der französischen Architektur neue Formen auf. Wesentliche Impulse gingen dabei von Burgund, v. a. Cluny, aus. Frankreich entwickelte die Doppelturmfassade, den Staffelchor (zweiter Bau von Cluny, 981 geweiht; nicht erhalten) und den Chor mit Umgang und Kapellenkranz (Saint-Martin in Tours, 997-1014; nicht erhalten). Zukunftweisend war der Aufriss der Mittelschiffwand von Saint-Remi in Reims (1005-49), wo die Wand zwischen Arkaden- und Fensterzone bereits durch ein Emporengeschoss durchbrochen ist, ein Motiv, das von der Île-de-France übernommen wurde (Saint-Étienne in Vignory, Département Haute-Marne, erste Hälfte des 11. Jahrhunderts). Nach diesen Ansätzen fiel zunächst der Normandie die Führungsrolle zu. Der grundlegende Bau war die Abteikirche in Jumièges (1040-67; heute Ruine), wo Arkaden, Emporen und Fenster streng axial angeordnet waren und vor den Pfeilern halbrunde Vorlagen bis zur Decke aufstiegen. Diese Tendenz zur Vertikalisierung des Raumes wurde in der Normandie weiterentwickelt bei der Abteikirche des Mont-Saint-Michel (zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts), bei Saint-Étienne (um 1064-77) und Sainte-Trinité (1059-66) in Caen. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts setzte in Mittel- und Südfrankreich der Gewölbebau ein. Die wichtigsten provenzalischen Bauten, meist einschiffige Saalkirchen und dreischiffige Basiliken, entstanden in der Umgebung von Arles und Avignon. Sie sind gekennzeichnet durch den Rückgriff auf die Formensprache der Antike (Protorenaissance). Die Decken sind tonnengewölbt, die wuchtige Geschlossenheit der Mauer bestimmt Außenbau und Innenraum (Saint-Trophime in Arles, Ende des 11. Jahrhunderts bis Mitte des 12. Jahrhunderts; Abteikirche in Saint-Gilles-du-Gard, Saint-Sauveur in Aix-en-Provence; beide zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts). Im Poitou herrschten dreischiffige Hallenkirchen mit Querschiff, Chor, Chorumgang und Kapellenkranz sowie Tonnengewölbe im Mittelschiff vor (ehemalige Abteikirche Saint-Savin-sur-Gartempe, spätes 11. Jahrhundert). Der bedeutendste Bau ist Notre-Dame-la-Grande in Poitiers (zweites Viertel des 12. Jahrhunderts). Charakteristisch ist der von vier Halbsäulen umgebene poitivinische Pfeiler. Die Innenräume sind schmucklos, die Fassaden dagegen reich dekoriert. In der Auvergne sind in den hohen Seitenschiffen der gewölbten Hallenkirchen Emporen angelegt, die den Innenraum basilikal erscheinen lassen. Eine Besonderheit ist das in der Höhe gestaffelte Querhaus (auvergnatischer Querriegel), das durch eine Kuppel gekrönt wird (außen durch einen achtseitigen Vierungsturm hervorgehoben). Die Innenräume wirken streng und düster (u. a. Kirche von Saint-Nectaire, Département Puy-de-Dôme, vollendet 1178; Notre-Dame-du-Port in Clermont-Ferrand, erste Hälfte des 12. Jahrhunderts). Der Typ der dreischiffigen Hallenkirche mit Emporen im Languedoc ist dem der Auvergne sehr ähnlich; bei den beiden bedeutendsten Bauten, den großen Pilgerkirchen Saint-Sernin in Toulouse (um 1080 ff.) und Sainte-Foy in Conques (um 1050 bis um 1130), ist auch das Querhaus dreischiffig. In der Vertikalisierung des Innenraums und im Durchbrechen der Mauer lassen sich normannische Einflüsse erkennen. In Aquitanien wurde auch (wohl unter dem Einfluss der byzantinischen Baukunst) die dreischiffige Kuppelkirche entwickelt (Kathedrale Saint-Front in Périgueux, nach 1120 ff.). Die europäische Baukunst wurde um die Wende des 11. zum 12. Jahrhundert insbesondere von den Leistungen der burgundischen Bauschule geprägt, die vom dritten Bau der Abteikirche Cluny (Grundsteinlegung 1088; nur geringe Teile erhalten) ausging. Zu den wichtigsten Nachfolgebauten in Frankreich gehören u. a. die Prioratskirche in Paray-le-Monial (um 1100), die Kathedrale Saint-Lazare in Autun (um 1120 ff.) und die Abteikirche Sainte-Madeleine in Vézelay (1120-1150).
 
 
Die Entwicklung der Plastik begann mit sehr flachen figürlichen Reliefs (Türsturz der Kirche in Saint-Genis-des-Fontaines [Département Pyrénées-Orientales], um 1020) und erreichte einen ersten Höhepunkt mit der Schule von Toulouse (Marmorrelief im Chorumgang von Saint-Sernin in Toulouse, im Zentrum Christus in der Mandorla, Ende des 11. Jahrhunderts) und frühen burgundischen Werken (Tympanon der Prioratskirche in Charlieu, Dép Loire, um 1140). In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden an den großen Kirchen v. a. Figurenportale, deren Hauptthema das Jüngste Gericht ist (u. a. Saint-Pierre in Moissac, um 1120; Sainte-Madeleine in Vézelay, um 1130; Kathedrale Saint-Lazare in Autun, von Meister Gislebertus, um 1130; Sainte-Foy in Conques, 1135-40). Während in der Normandie geometrische Dekorformen bevorzugt wurden (Caen, Sainte-Trinité), herrschte in Burgund und Westfrankreich figürlicher Schmuck vor: ekstatisch bewegte, ornamentale Gewandfiguren mit dünnen Parallelfalten, im Süden ruhigere, untersetzte Körperformen (Fassade der Abteikirche von Saint-Gilles-du-Gard, um 1160; Fassade der Abteikirche Saint-Trophime in Arles, um 1170). Auch Tier- und Pflanzenmotive erhielten breiten Raum.
 
Zu den wenigen erhaltenen romanischen Goldschmiede- und Emailarbeiten gehört die emaillierte Grabplatte Gottfrieds V. Plantagenet, Graf von Anjou (✝ 1151), aus Limoges (heute Le Mans, Musée Archéologique).
 
 
Wandmalereien, die in allen romanischen Kirchen üblich waren, sind kaum erhalten, am vollständigsten an der Decke der Kirche von Saint-Savin-sur-Gartempe im Poitou (Ende des 11. Jahrhunderts). In der Buchmalerei lassen sich verschiedene Zentren feststellen: u. a. die von der ottonischen Buchmalerei beeinflusste Schule von Limoges (Bibel von Saint-Martial de Limoges, Ende des 11. Jahrhunderts; Paris, Bibliothèque Nationale de France) sowie die burgundische Schule, v. a. die von Cîteaux (Bibel des Stephan Harding, 1109; »Moralia in Job« Gregors des Großen, um 1111; beide Dijon, Bibliothèque Publique), die sich wie im Norden die Schule der Abtei Saint-Amand (Vita des heiligen Amandus, um 1140; Valenciennes, Bibliothèque Municipale) an der englischen Buchmalerei orientierte.
 
 
 
Die Kernlandschaft der Gotik ist die Île-de-France, wo unter dem Zusammentreffen von Einflüssen aus Burgund (Spitzbogen, Triforium), der Normandie (Kreuzrippengewölbe) und der Provence (Dreiportalfassade) ein logisch durchdachtes Bausystem ausgeformt wurde. Der erste frühgotische Bau ist die um 1130 unter ihrem Abt Suger begonnene Abteikirche Saint-Denis (Vorhalle 1140 geweiht, Chorumgang 1144 vollendet). Kathedralen der Frühgotik sind die von Sens (1140 ff.), Chartres (nach 1130 ff., 1194 abgebrannt; erhalten blieben die Westfassade mit den beiden Türmen und die Kryptaanlage), Noyon (um 1150 ff.), Senlis (1153 ff.), Laon (um 1160 ff.) und Paris (Notre-Dame, 1163 ff.). Neu an den frühen Kathedralbauten ist die zunehmende Auflösung der Wand durch große farbige Glasfenster, wobei auch die Struktur des Außenbaus immer feingliedriger wurde, da der hohe Gewölbeschub außen durch Strebepfeiler abgefangen werden musste. Die romanische Abgrenzung einzelner Bauteile (Mittelschiff, Seitenschiffe, Querschiff, Chor) wich dem durchlichteten Gesamtraum. Bis in subtile Einzelheiten wurde die Funktion von tragenden und lastenden Bauteilen sichtbar gemacht. Der klassische hochgotische Bau ist der Neubau der Kathedrale von Chartres (nach 1194 begonnen), von dem Anregungen für die Baukunst ganz Europas ausgingen. In seiner Nachfolge stehen die Kathedralen von Soissons (1180 ff.), Reims (1211 ff.) und Amiens (1221 ff.). Die Tendenz ging dahin, den Chor so in die Länge zu ziehen, dass er fast die gleiche Ausdehnung wie das Mittelschiff hatte, durch Kapellenkranz und Umgänge in der Breite sogar das Mittelschiff übertraf. Das Querhaus rückte dadurch in die Mitte zwischen Chor und Langhaus. Die Emporen über den Arkaden entfielen, die Fensteröffnungen im Obergaden erhielten die gleichen Maße wie die Arkadenöffnungen. Ihre Gruppierung, jeweils zwei Spitzbogenfenster und eine Rosette, wurde für die weitere Entwicklung ausschlaggebend. Das Maßwerkfenster wurde zu einem Hauptmotiv gotischen Bauens.
 
Allmählich wurden die Kathedralen ins Überdimensionale gesteigert. In Bourges (1195 ff.) entstand der Typ einer fünfschiffigen Basilika, der im Chor von Le Mans (1217 ff.) weiterentwickelt wurde. Der hohe Chor der Kathedrale von Beauvais (1225 ff.) stürzte 1284 ein. Der weitere Verlauf der Gotik brachte noch eine Fülle zarter, zerbrechlich erscheinender Formen hervor, aber keine neuen konstruktiven architektonischen Möglichkeiten. Symptomatisch ist die kleine, ganz in Glas aufgelöste Sainte-Chapelle in Paris (1241/42-48). Wahrscheinlich war Pierre de Montreuil, der u. a. auch die südliche Querschifffassade von Notre-Dame in Paris schuf (1258 ff.), ihr Baumeister. Die übrigen französischen Kunstlandschaften deuteten den gotischen Stil in ihrem Sinn um. In der Normandie wurde die Wand in eine Fülle von Pflanzenornamenten aufgelöst (Kathedrale von Lisieux, nach 1160 ff.). Im Poitou herrschte noch immer die Hallenkirche vor (Kathedrale in Poitiers, 1162 ff.). Schmuck- und Architekturelemente wurden im Süden nur in Einzelheiten übernommen. Bei der Kathedrale von Albi (1282 ff.), dem bedeutendsten südfranzösischen Bau der Gotik, wurde zwar durch Pfeiler und schlanke Fenster die Vertikale betont, der Gesamteindruck ist jedoch wehrhaft lagernd. In Burgund wurden die harmonischen Proportionen der Frühgotik bevorzugt (Pfarrkirche Notre-Dame in Dijon, um 1230 ff.). Vom 13. Jahrhundert an gewann die Profanarchitektur zunehmend an Bedeutung: Paläste, festungsähnliche Burgen und Stadtbewehrungen (Sens, Erzbischöflicher Palast, um 1240; Stadtbefestigung von Carcassonne, 13. Jahrhundert), später auch das bürgerliche Wohnhaus und der öffentliche Verwaltungsbau. Durch den Hundertjährigen Krieg kam die Bautätigkeit vorübergehend zum Stillstand, abgesehen von den Bauten Karls V. in Paris (Vergrößerung des Louvre, Errichtung der Bastille u. a.) und dem Papstpalast in Avignon (1334-52). Aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind zahlreiche Wohn- und Rathäuser erhalten (Justizpalast in Rouen, um 1500; Rathäuser von Compiègne, Arras, Douai, Noyon und Saint-Quentin; Wohnhäuser in Rouen und Bayeux; das Haus des Jacques Cœur in Bourges, 1443—53). Im 14. und 15. Jahrhundert gab es kaum größere Kirchenbauten von Bedeutung (Erneuerung des Chors der Abteikirche Sainte-Trinité in Vendôme, 1306 ff.; Abteikirche Saint-Ouen in Rouen, 1318 ff.). Die Gotik klang aus im Flamboyantstil, der durch das aus flammenartig züngelnden Fischblasen bestehende Maßwerk geprägt ist.
 
Neben der repräsentativen Kathedralarchitektur entstanden Bauten der Reform- und Bettelorden. Für die Kirchen der Zisterzienser, die auf die Folgezeit vorbildhaft wirkten, waren Schlichtheit der Architektur, gerade Chorabschlüsse und der Verzicht auf Türme charakteristisch (Fontenay, um 1130-47). Franziskaner und Dominikaner verzichteten ebenfalls auf Türme, ihre Kirchen hatten kein Querschiff (Église des Jacobins in Toulouse, um 1227 gegründet, 1260 ff. erneuert).
 
 
Die Plastik blieb auch in der Gotik meist mit der Architektur verbunden, wenn auch in einer neuen Auffassung. Am Westportal (Königsportal, um 1145-55) der Kathedrale von Chartres löste sich die Figur vollplastisch vom Hintergrund, gab ihre ornamentale Bewegtheit auf und wurde als Säulenfigur statuarisch. Die Gewänder waren streng stilisiert und hafteten am Körper, der sich erst um 1170 bei den Portalfiguren der Kathedrale von Senlis lockerte und in der Hochgotik in freier, gelöster Haltung erschien (Querhausportale der Kathedrale von Chartres, um 1200 ff.; Gewändestatuen des mittleren Westportals der Kathedrale in Reims, zweites Viertel bis Mitte des 13. Jahrhunderts; Apostelfiguren der Sainte-Chapelle, Paris, 1243-48). Es entstanden neue Bildtypen wie der »Beau Dieu« des mittleren Westportals der Kathedrale von Amiens (um 1230) und die »Vierge dorée« (stehende Madonna mit Kind, um 1255-60) am Südportal. Die Grabplastik gewann besonders im 14. Jahrhundert an Bedeutung; eine größere Porträtähnlichkeit wurde angestrebt (Grabfiguren Roberts von Artois, 1317-20, und König Karls V., 1364 ff., in der Abteikirche Saint-Denis). Um 1400 wurde Burgund zu einem Zentrum der Monumentalplastik, v. a. durch den Niederländer C. Sluter (Portal und Mosesbrunnen der Kartause von Champmol bei Dijon, 1386-1401 beziehungsweise 1395-1404/06; Grabmal Philipps des Kühnen, 1384 ff.; Dijon, Musée des Beaux-Arts). Das zweite Zentrum neben Burgund war im 15./16. Jahrhundert die Touraine. Die Monumentalplastik wurde v. a. durch M. Colombe weiterentwickelt, dessen Werk bereits zur Renaissance überleitete (Grabmal Franz' II., Herzog der Bretagne, und seiner Gemahlin, 1502-07; Kathedrale von Nantes).
 
 
Im Verlauf des 12. Jahrhunderts verloren die klösterlichen Zentren immer mehr an Bedeutung für die Buchmalerei, und im 13. Jahrhundert wurde Paris der entscheidende Mittelpunkt auch für die Illumination der Handschriften. Hier entstanden u. a. das wichtigste Zeugnis des Übergangs von der Romanik zur Gotik, der Ingeborg-Psalter (um 1195; Chantilly, Musée Condé) und der Psalter Ludwigs IX., des Heiligen (zwischen 1253 und 1270; Paris, Bibliothèque Nationale de France). Die architektonischen Motive sind gotisch, die Figuren agieren lebhaft, ihre Formen sind geschmeidig, ein Streben nach Darstellung der realen Welt wird deutlich. Die Miniaturen des neu entwickelten Typus der »Bible moralisée« (u. a. 1230-40; Paris, Bibliothèque Nationale de France) knüpften an die Glasmalereien der Kathedralen an. Im frühen 14. Jahrhundert gelang es J. Pucelle, in seinen Miniaturen einen höfisch-eleganten Stil zu schaffen; die räumlichen Andeutungen sind von der italienischen Kunst angeregt (»Heures de Jeanne d'Évreux«, um 1325-28; New York, Metropolitan Museum). Seine Nachfolger strebten zunehmend danach, die Menschen in ihrer natürlichen Umgebung zu erfassen (Bibel des Jean de Cis, um 1355; Paris, Bibliothèque Nationale de France). Den zeitgenössischen Miniaturen verwandt sind die auf Seide gemalten Passionsszenen des »Antependiums von Narbonne« (um 1375; Paris, Louvre). Zu den bedeutendsten Leistungen der Buchmalerei des 15. Jahrhunderts gehören die für Jean de France, Herzog von Berry, geschaffenen Stundenbücher der Brüder von Limburg (u. a. »Très riches heures«, zwischen 1413 und 1416; Chantilly, Musée Condé). Höhepunkt sind die Werke J. Fouquets, u. a. die Miniaturen zu den »Antiquités judaïques« des Flavius Josephus (wohl zwischen 1470 und 1476; Paris, Bibliothèque Nationale de France) und »Les grandes chroniques des rois de France« (um 1465; Paris, Bibliothèque Nationale de France). Eines der letzten Meisterwerke der französischen Buchmalerei schuf sein Nachfolger J. Bourdichon mit dem »Großen Stundenbuch der Anna von Bretagne« (um 1500-07; Paris, Bibliothèque Nationale de France).
 
Bedingt durch die Vielzahl der Maßwerkfenster verlor die Wandmalerei an Bedeutung. An ihre Stelle trat die Glasmalerei mit hervorragenden Leistungen besonders in den Kathedralen von Chartres, Le Mans, Bourges, Laon und in der Sainte-Chapelle in Paris. Die Wandmalerei nahm im 14. Jahrhundert in Avignon unter italienischem Einfluss neuen Aufschwung (Fresken im Papstpalast, 1343/44). Avignon wurde auch Zentrum der Tafelmalerei. Hauptmeister der Schule von Avignon sind E. Quarton (»Pietà von Avignon«, zwischen 1454 und 1456; Paris, Louvre) und N. Froment (»Der brennende Dornbusch«, 1475/76; Aix-en-Provence, Saint-Sauveur). Meisterwerke der Tafelmalerei sind ferner von J. Malouel und H. Bellechose, beide niederländischer Herkunft und in Dijon am burgundischen Hof tätig, sowie von S. Marmion, dem Meister von Moulins und v. a. von J. Fouquet überliefert.
 
 
Ein hervorragendes Zeugnis der Bildwirkerei ist die berühmte »Apokalypse von Angers«, die 1375-79 für die Kathedrale (heute Schloss Angers) nach Zeichnungen J. Bondols angefertigt wurde. Zentrum der Goldschmiedekunst war Paris, wo, neben Limoges, die Emailkunst gepflegt wurde.
 
 Renaissance und Manierismus
 
Die Kunst der Renaissance und des Barock stand in Frankreich im Zeichen des erstarkenden Königtums. Sie nahm relativ schnell italienische Einflüsse auf, die entscheidend wurden für die Ausbildung des charakteristischen französischen Klassizismus (Classicisme).
 
 
Zunächst erhielt der Profanbau ein Übergewicht gegenüber dem Kirchenbau. Aus der befestigten Burg entwickelte sich das königliche Schloss, das Elemente des Fortifikationsbaus, wie abgeschlossene Vierflügelanlage, Wassergräben, starke Ecktürme u. a., lange beibehielt. Anfangs wurden nur einzelne Flügel königlicher Schlösser im Renaissancestil errichtet, so Amboise (1492-98) und Blois (Flügel Franz' I. mit Treppenturm, 1515-24). Der wichtigste Bau der französischen Frührenaissance ist Schloss Chambord (1519-38). S. Serlio, der ab 1541 in Frankreich lebte (Schloss Ancy-le-Franc, Département Yonne, um 1546 ff.), und Vignola, der sich 1541-43 dort aufhielt, waren als Architekturtheoretiker richtungweisend, u. a. für P. Delorme und J. A. Ducerceau. Delorme, ab 1548 königlicher Architekt, baute 1548-52 Schloss Anet und 1564 ff. die Tuilerien in Paris. P. Lescot errichtete den West- und Südflügel des Louvre (1546-74) und leitete den Bau der »Fontaine des Innocents« in Paris zusammen mit dem Bildhauer J. Goujon (1549 vollendet). Im Kirchenbau wurden gotische Formen mit Renaissanceelementen verbunden (Kathedrale Saint-Eustache, Paris, 1532-1637).
 
 
Auch auf dem Gebiet der Plastik waren italienische Künstler (F. Laurana, G. Mazzoni) Wegbereiter der Renaissance in Frankreich (z. B. Grabmal Ludwigs XII. und Annas von Bretagne in Saint-Denis, 1516-31, von A. und J. Juste; Grabmal Franz' I. und Claudias, ebenda, 1547 ff., von Delorme). Daneben wirkten auch deutsch-flandrische Vorbilder u. a. auf C. Meits Grabmäler in der ehemaligen Klosterkirche in Brou bei Bourg-en-Bresse (1526 ff.). Ein Zentrum italienisch-frühmanieristischer Plastik bildete Schloss Fontainebleau mit den richtungweisenden Stuckdekorationen F. Primaticcios (nach 1531 ff.). Auch Goujon und G. Pilon (Grabmal Heinrichs II. und Katharinas von Medici in der Abteikirche Saint-Denis, 1563-71) pflegten enge Kontakte zu Fontainebleau. Darüber hinaus sind L. Richier und B. Prieur für die französische Bildhauerei dieser Zeit von Bedeutung.
 
 
Auch die Wandmalerei nahm in Fontainebleau neuen Aufschwung. Der Stil der ersten Schule von Fontainebleau wurde auf eine Reihe anonymer Tafelbilder übertragen (»Diana als Jägerin«, um 1550-60; Paris, Louvre). J. und F. Clouet standen als Porträtisten im Dienst Franz' I. J. Bellegambe war noch der spätmittelalterlichen Altarmalerei verbunden. J. Cousin der Ältere und J. Cousin der Jüngere sowie A. Caron waren ganz der Schule von Fontainebleau verpflichtet, die mit T. Du Breuil, M. Fréminet und A. Dubois (zweite Schule von Fontainebleau) unter Heinrich IV. nun auch flämische Anregungen aufnahm. Hervorragend als Maler wie als Grafiker war der Porträtist É. Dumonstier. Bedeutende Stecher waren J. Duvet und É. Delaune.
 
 
Die Schule von Fontainebleau beeinflusste auch die Bildwirkerei, die Zinnarbeiten F. Briots und L. Limosins, der neben den Mitgliedern der Familie Pénicaud in Limoges hervorragende Emailarbeiten schuf. B. Palissy erlangte Berühmtheit durch Keramiken mit Naturabgüssen von Tieren.
 
 Barock und Rokoko
 
 
Das 17. Jahrhundert brachte die Vollendung der klassischen französischen Schlossbaukunst. Mit der Grande Galerie im Louvre, repräsentativen Platzanlagen (Place des Vosges, 1605 ff.; Place Dauphine, 1607 ff.), dem Palais du Luxembourg (1615-31; von S. de Brosse) u. a. erreichte Paris eine absolute Vorrangstellung. J. Lemercier, der ab 1624 als Baumeister am Louvre arbeitete und 1626 ff. die Sorbonne erbaute, war auch verantwortlich für Schloss und Stadt Richelieu (1631 ff.). Eine Zeit lang waren die Schlösser der Provinz vorbildhaft. F. Mansart errichtete 1635-38 den Mittelbau von Schloss Blois und ab 1642 die klar gegliederte Anlage von Maisons-Laffitte bei Paris. L. Le Vau schuf Schloss Vaux-le-Vicomte (1656-58; Innenausstattung und Gartenanlage 1661 vollendet) als offene Dreiflügelanlage, die sich um einen Ehrenhof gruppiert. Die Rückseite des Mitteltraktes wurde als Gartenfront mit Park ausgebildet. Vaux-le-Vicomte ist die Vorstufe zum Schloss von Versailles, der Residenz Ludwigs XIV., deren Bau 1661 von Le Vau begonnen wurde. Kern des Corps de logis und Zentrum der Hofetikette waren das königliche Schlafzimmer auf der Ehrenhofseite und der Spiegelsaal auf der Gartenseite, die als Hauptfront ausgebildet ist. Der Park wurde in die Gesamtkonzeption einbezogen (1663 ff., von A. Le Nôtre). Auch den Pariser Hôtels liegt ein ähnlicher Schlosstypus zugrunde (Hôtel de Sully von J. Ducerceau, 1625-27; Hôtel Lambert von Le Vau, 1540 ff.). Für die klassizistische Strenge der französischen Architektur ist bezeichnend, dass L. Berninis barocker Entwurf für die Ostfassade des Louvre der Kolonnadenreihe C. Perraults weichen musste (1667/68). J. Hardouin-Mansart bestimmte nicht nur das Bild von Versailles mit (Grand Trianon, 1687/88; Schlosskapelle, 1699-1710), sondern auch das der Hauptstadt (Invalidendom, 1677-1706; Place Vendôme, 1699 ff.).
 
Anfang des 18. Jahrhunderts begann sich in der Ausgestaltung der Innenräume das Rokoko anzukündigen. Charakteristisch ist das Zusammenspiel von muschelartig geschwungenen Formen (Rocaille) bei Stuckaturen, Holzvertäfelungen und Möbeln (in Paris u. a. Hôtel de Toulouse von R. de Cotte, 1714-19; Hôtel de Soubise von G. Boffrand, 1735-40). Einer der Initiatoren des Rokoko ist der Baumeister und Ornamentzeichner niederländischer Herkunft G. M. Oppenordt. Im Kirchenbau wurden im 17. und 18. Jahrhundert basilikale Anlagen nach italienischem Vorbild errichtet, u. a. die Kirchen Saint-Sulpice (1646 ff.) von Daniel Gittardi (*1625, ✝ 1686), Saint-Roch (1653 ff.) von Lemercier und Saint-Philippe-du-Roule (1772-84) von J.-F.-T. Chalgrin. Bedeutende Kuppelbauten sind die Kirchen Val-de-Grâce (1645 begonnen von Mansart) und Sainte-Geneviève (heute Panthéon, 1764-90; von J. G. Soufflot). Als Beispiel vorbildlicher Stadtplanung entstand 1751-55 in Nancy, der Residenz des im Exil lebenden polnischen Königs Stanislaus I. Leszczyński, die Place Stanislas von E. Héré. Der Bau des Petit Trianon in Versailles (1764-68) von J.-A. Gabriel beweist die Lebendigkeit der klassizistischen Tendenzen in der französischen Baukunst auch des 18. Jahrhunderts, ebenso wie die Anlage der Place de la Concorde in Paris (1755).
 
 
Die Plastik des 17./18. Jahrhunderts bediente sich sowohl der klassizistischen als auch der barocken Formensprache. Zu den wichtigsten Aufgaben gehörten neben Porträtbüsten (Büste Ludwigs XIV. von A. Coysevox, 1681; Versailles, Schloss) Grabmonumente (Grabmal Mazarins von Coysevox, 1689-93, Paris, Institut de France; Grabmal Richelieus von F. Girardon, 1694, Paris, Église de Sorbonne; Grabmal des Marschalls Moritz von Sachsen von J.-B. Pigalle, 1753-76, Straßburg, Saint-Thomas) und Denkmäler (Reiterstandbild Ludwigs XIV. von Girardon, 1699 enthüllt, 1792 zerstört, Modell im Louvre; »Alexander als Sieger« von P. Puget, nach 1683, Vorstudie für ein Reiterdenkmal Ludwigs XIV., ebenda; Reiterstatue Peters des Großen in Sankt Petersburg von E.-M. Falconet, 1782 enthüllt). Zahlreiche Bildhauer waren mit der Herstellung von Figuren für die königlichen Schlösser und Gärten, besonders für den Park von Versailles, beschäftigt, unter ihnen Puget (»Milon von Kroton«, 1673-82; heute Paris, Louvre), Girardon (»Raub der Proserpina«, 1677 ff.; Versailles, Schlosspark), Coysevox, N. Cousteau und G. Cousteau der Ältere, E. Bouchardon und J.-S. Adam. Meisterwerke der französischen Bildhauerkunst zur Zeit des Rokoko waren die Porträtbüsten von J. B. Lemoyne und J.-A. Houdon.
 
 
Auf die französische Malerei zu Beginn des 17. Jahrhunderts wirkte zunächst noch die Schule von Fontainebleau nach. Die französische Grafik erreichte einen Höhepunkt mit dem Werk J. Callots. In der Malerei kamen verstärkt italienische Einflüsse zur Geltung (v. a. Caravaggio), die u. a. von dem lange Jahre in Italien tätigen S. Vouet nach Frankreich vermittelt wurden. Zu seinen Schülern gehörten E. Le Sueur und P. Mignard (Kuppelfresko in der Kirche Val-de-Grâce, Paris, 1663), ferner auch C. Le Brun (Dekoration der Galerie d'Apollon im Louvre, 1661 ff.; Ausstattung des Spiegelsaals im Schloss von Versailles, 1684 vollendet) und der Kupferstecher C. Mellan. Le Brun spielte eine führende Rolle an der 1648 in Paris gegründeten Akademie in der Auseinandersetzung über den von ihm geforderten Vorrang der Zeichnung gegenüber der Farbe, ein Streit, der die Künstler in zwei Parteien spaltete, in »Rubenisten« und »Poussinisten«. N. Poussin, Schöpfer mythologischer Szenen und heroischer Landschaften (»Die Hirten von Arkadien«, zwischen 1650 und 1655; Paris, Louvre), war der Hauptvertreter der klassizistischen Richtung. Lorrain verband in seinen mythologischen Landschaften klassizistische Strenge mit romantischer Stimmung (»Einschiffung der Königin von Saba«, 1648; London, National Gallery). Der aus Brüssel stammende P. de Champaigne wirkte als Vermittler flämischer Einflüsse. An seinem Porträtstil orientierte sich der Porträtstecher R. Nanteuil. Die Brüder Le Nain vertraten eine eigenständige Art der Genremalerei mit realistisch bäuerlichen Szenen. G. de La Tours Werke lassen auf den Einfluss der Helldunkelmalerei Caravaggios schließen. H. Rigaud und N. de Largillière als Porträtisten sowie A. F. Desportes und J.-B. Oudry verbanden flämischen Einfluss mit französischen Tradition. A. Coypel arbeitete in königlichem Auftrag. F. Lemoine trat als Historienmaler hervor. Er war Lehrer des besonders als Dekorationsmaler geschätzten C. J. Natoire sowie F. Bouchers. Vorbild für die Altar- und Historienbilder P. Subleyras waren die Werke Poussins. A. Watteau, Meister der »Fêtes galantes« (Genremalerei), besticht durch eine brillante Mal- und Zeichentechnik (»Einschiffung nach Kythera«, mehrere Versionen, u. a. um 1717; Berlin, Schloss Charlottenburg). In seiner Nachfolge stehen N. Lancret und J.-B. Pater. Die hervorragenden Vertreter der Rokokomalerei sind neben Watteau Boucher (Bildnisse der Marquise de Pompadour, u. a. 1756; London, Wallace Collection) und sein Schüler J. H. Fragonard (»Die Schaukel«, 1767; London, Wallace Collection). Als Pastellmaler wurden v. a. M. Q. La Tour und sein Rivale J. B. Perronneau bekannt, besonders aufgrund ihrer Charakterporträts. An die Bildnisse La Tours und die mythologischen Porträts J. M. Nattiers knüpfte F. H. Drouais an. Der Porträtkunst widmete sich ferner Elisabeth Vigée-Lebrun, die im Dienst Marie-Antoinettes stand. Weit über ihre Zeit hinaus wirkten die Stillleben J. B. S. Chardins. Die französische Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts vertraten C. J. Vernet und H. Robert, J. B. Greuze bevorzugte eine zur Sentimentalität neigende Genremalerei. J.-M. Vien wurde mit seinen Historienbildern richtungweisend für J.-L. David, der in seinen Werken den Klassizismus in ein politisches Programm umsetzte (»Schwur der Horatier«, 1784; Paris, Louvre).
 
 
Der Ornamentstecher J. Lepautre prägte mit seinem umfangreichen Vorlagenwerk den Dekorationsstil des französischen Klassizismus. Unter der Leitung Le Bruns (1663 ff.) erlangte die Pariser Gobelinmanufaktur die gleiche Bedeutung wie die Brüsseler Manufaktur, die bislang führend war. Entwürfe für Gobelins lieferten u. a. Coypel, Desportes, J. F. Troy und Boucher, dem 1755 die Leitung der 1664 gegründeten Manufaktur in Beauvais übertragen wurde, für die auch Oudry tätig war.
 
Die stilbildenden Formen des Rokoko traten v. a. im Kunsthandwerk auf, v. a. bei den Ebenisten (u. a. A. C. Boulle, J. H. Riesener) und in der Porzellanherstellung, z. B. bei den Erzeugnissen der ab 1756 in Sèvres arbeitenden Porzellanmanufaktur.
 
 19. und 20. Jahrhundert
 
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein stand die französische Kunst im Spannungsfeld zwischen Klassizismus und romantischen Strömungen. Die im Rokoko zurückgedrängte klassizistische Gesinnung brach sich mit der Französischen Revolution wieder Bahn.
 
 
Die Vertreter der Revolutionsarchitektur, C.-N. Ledoux und É.-L. Boullée, reduzierten die Bauformen auf geometrische Grundelemente. Nur wenige ihrer Entwürfe wurden realisiert (Rotonde von La Vilette, Paris, von Ledoux, 1784-89). Chalgrin führte die Tradition des Klassizismus weiter (Arc de Triomphe de l'Étoile, Paris, 1806 ff.). C. Percier und P. F. L. Fontaine schufen den Empirestil, der sich besonders auf Möbel und Innenarchitektur (Restaurierung von Schloss Malmaison, 1802 ff.), aber auch auf große Bauvorhaben (Arc de Triomphe du Caroussel, Paris, 1806-08; Fassadenfront des Louvre an der Rue de Rivoli, 1806-11; beide von Percier und Fontaine) auswirkte. Restauration und Zweites Kaiserreich begünstigten den Historismus, der Stilelemente aller Epochen wieder aufgriff; viele Architekten betätigten sich gleichzeitig auch als Restauratoren alter Baudenkmäler, wie E. Viollet-le-Duc, der auch als Architekturtheoretiker hervortrat. C. Garniers Grand Opéra in Paris (1861-75) ist ein prunkvoller Bau des Neubarock. P. Abadie der Jüngere errichtete die Kirche Sacré-Cœur (1874 ff.) in einem mittelalterlich-byzantinischem Stil. Folgenschwer war die Sanierung von Paris durch G. E. Haussmann während seiner Amtszeit als Präfekt (1853-70). Die Durchführung seiner Konzeption breiter Verkehrsadern, der in umfangreichem Maß historischer Bausubstanz zum Opfer fiel, wurde zum Vorbild für nachfolgende städtebauliche Planungen. Von der Jahrhundertmitte an wurde die aus England übernommene Technik der Eisenkonstruktion angewandt und weiterentwickelt. Pioniere waren v. a. H. Labrouste (Bibliothèque Sainte-Geneviève, Paris, 1843-50) und J. I. Hittorf (Bauten der Champs-Élysées, 1839; Saint-Vincent-de-Paul, Paris, 1824-44; Gare du Nord, ebenda, 1861-65) sowie V. Baltard (Pariser Markthallen, 1852-59). G. Eiffel verwendete bei dem für die Weltausstellung 1889 errichteten Eiffelturm bereits Stahlstützen.
 
Um die Wende zum 20. Jahrhundert kam es zu einer antiklassischen Tendenz in der ornamentfreudigen Art nouveau, der französischen Variante des Jugendstils (Eingänge der Untergrundbahnhöfe in Paris von H. Guimard, 1899-1900). Nach 1900 wurde das Eisen vom Stahlbeton verdrängt, den A. Perret im Wohnbau verwendete (Wohnhaus, Rue Franklin, Paris, 1903-04), aber auch im Theater- und Sakralbau (Theater der Champs-Élysées, 1911-13; Notre-Dame, Raincy bei Paris, 1923). Bezeichnend für die Entwicklung der französischen Architektur vor dem Zweiten Weltkrieg sind ferner Projekte von E. Freyssinet (Flugzeughalle, Orly, 1916-24, 1944 zerstört), T. Garnier (Schlachthof, Lyon, 1909-13), H. Sauvage (Mietshäuser im Terrassenbau, u. a. Rue Vavin, Paris, 1912), R. Mallet-Stevens (kubistische Mietshäuser, Rue Mallet-Stevens, Paris, 1926/27), A. Lurçat (Villa Seurat, Paris, 1925/26; Schule in Villejuif, Département Val-de-Marne, 1931-33), Eugène Beaudouin (* 1898, ✝ 1983) und Marcel Lods (* 1891, ✝ 1978; Cité de la Muette, Drancy, Département Seine-Saint-Denis, 1932-34; Freiluftschule, Suresnes, 1932-35). J. Prouvé trieb die Verwendung vorgefertigter Bauteile voran (Maison du Peuple, Clichy, 1937-39, mit Beaudouin und Lods). Die Architektur nach 1945 stand einerseits lange unter dem Einfluss des ab 1917 in Frankreich lebenden schweizerischen Architekten Le Corbusier, dessen Unités d'habitation (Marseille, 1947-52) Vorbild wurden für den modernen funktionellen Wohnungsbau. Mit seiner Kirche Notre-Dame in Ronchamp (1950-54) wies er einer von plastischen Formen geprägten Architektur die Richtung. Andererseits wurden viele bedeutende Bauten von ausländischen Architekten entworfen. B.-L. Zehrfuss entwarf mit M. Breuer und P. L. Nervi die ersten drei Bauabschnitte des UNESCO-Gebäudes in Paris (1953-58), das internationale Anerkennung fand. Einen Schwerpunkt bildete nach dem Zweiten Weltkrieg der Städtebau. Wichtige Beiträge auf diesem Gebiet lieferten Émile Aillaud (* 1902, ✝ 1988) mit der Siedlung »Les Courtilières« in Pantin (1955-60), G. Candilis und seine Partner S. Woods und A. Josic mit der Planung der neuen Stadt Toulouse-Le Mirail (1964-77) und Jean Renaudie (* 1925, ✝ 1981) mit dem Stadtzentrum von Ivry-sur-Seine (1970-78). In einem monumentalen neoklassizistischen postmodernen Stil präsentieren sich die von dem Spanier R. Bofill errichteten Siedlungen in der Umgebung von Paris (»Les Arcades du Lac«, Saint-Quentin-en-Yvelines, 1978-82; »Teatro« und »Palacio d'Abraxas«, Marne-la-Vallée, 1978-83).
 
Im Auftrag des Staates, aber auch großer Konzerne oder Stiftungen wurde besonders in Paris eine zum Teil futuristisch anmutende, an klaren geometrischen Formen orientierte Architektur realisiert. Bereits in den 1960er-Jahren begann man mit dem Ausbau der modernen Bürostadt »La Défense«. Der Däne Johan Otto von Spreckelsen (* 1929, ✝ 1987) baute hier das 110 m hohe Bürohochhaus »La Grande Arche« (1984-89; ab 1987 von Paul Andreu, * 1938, weitergeführt) als Pendant zum Arc de Triomphe. Auf dem Gelände der ehemaligen Pariser Schlachthöfe entstand 1982-91 der Hightechpark (Cité des Sciences et de l'Industrie) »La Villette«, bei dessen Gesamtgestaltung zu einem von Filmkulissen inspirierten Landschaftspark sich B. Tschumi auf Formen des russischen Konstruktivismus und der französischen Revolutionsarchitektur (Ledoux) bezog; den Ausstellungspalast »Cité de la Musique« baute Christian de Portzamparc (1984-90). Avantgardistische Akzente in der Altstadt von Paris setzten der Italiener R. Piano und der Brite R. Rogers mit dem Bau des Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou (1971-77). In seiner Nachbarschaft erbauten Claude Vasconi (* 1940) und Georges Pencreac'h (* 1941) 1972-87 ein modernes Einkaufszentrum (»Forum des Halles«). Nach Plänen der italienischen Architektin Gae Aulenti (* 1927) erfolgte 1983-86 der Umbau der Gare d'Orsay in ein Museum. Ab 1984 wurde der Louvre (u. a. Neugestaltung der Eingangszone in Form einer Glaspyramide, 1989) nach dem Entwurf des amerikanischen Architekten I. M. Pei erweitert. Zu weiteren interessanten Beispielen moderner Architektur in Paris gehören das »Institut du Monde Arabe« (1981-87) und die Ausstellungshalle der »Fondation Cartier« (1994) von Jean Nouvel, das neue Finanzministerium (1982-90) von Paul Chemetov und Borja Huidobro sowie die Pariser Bibliothèque Nationale de France (1995 fertig gestellt) von D. Perrault, die einen Höhepunkt der französischen »Architektur der Transparenz« darstellt.
 
Nouvel trat auch mit seinen »Wohnmaschinen«, weltläufigen Akzenten im Rahmen des städtischen sozialen Wohnungsbaus, hervor, Piano mit dem Einkaufszentrum »Bercy II« bei Paris (1987-90). Henri Ciriani baute in Arles das »Musée de l'Arles antique« und das Museum des Ersten Weltkriegs in Péronne (1984-95).
 
 
Die Plastik tradierte im 19. Jahrhundert das klassizistisch-realistische Formengut. Thematische Neuerungen fanden v. a. im Architekturrelief Raum. P.-J. David d'Anger, der sich besonders mit der monumentalen Freiplastik befasste (Denkmal des Grand Condé, Ehrenhof von Versailles, 1817-27), schuf auch das allegorische Giebelrelief des Panthéon (1830-37). F. Rude wurde berühmt mit seinem Relief am Arc de Triomphe de l'Étoile (»Auszug der Freiwilligen von 1792«, 1833-36). Als Tierbildhauer trat L. Barye hervor, ebenso E. Frémiet, der den traditionellen Typus des Reiterstandbilds weiterentwickelte. J.-B. Carpeaux verband bei seinen Skulpturen barocke Bewegungselemente mit romantischem Pathos (»Der Tanz«, für die Fassade der Pariser Oper, 1866-69; heute Paris, Louvre). F. A. Bartholdi lieferte die Entwürfe für die Freiheitsstatue in New York (1886 errichtet). Bildhauerisch tätig waren auch die Maler H. Daumier, E. Degas und A. Renoir. Einen Höhepunkt repräsentieren die Werke A. Rodins, der eine neue Phase der europäischen Plastik einleitete (»Die Bürger von Calais«, 1884 ff.; Calais). Mit seiner bewegten, auf Licht- und Schattenwirkungen bedachten Oberflächenbehandlung erzielte er eine malerisch-impressionistische Wirkung. A. Maillols Skulpturen zeichnen sich durch Einfachheit und Geschlossenheit der Formen aus (»Méditerranée«, vor 1905; Wintherthur, Sammlung Oskar Reinhart). In der Nachfolge Rodins stehen die Werke A. Bourdelles, der auch Anregungen des Symbolismus und der Art nouveau aufnahm. R. Duchamp-Villon arbeitete unter dem Einfluss des Kubismus, mit dem sich auch H. Laurens auseinander setzte, der mit seinen polychromen Plastiken neue Impulse gab. Germaine Richier gelangte über die Auflösung der menschlichen Figur in insektenähnlichen Mischwesen zur Abstraktion. Folgenreich war die Tätigkeit des gebürtigen Rumänen C. Brancusi in Paris. An die von ihm eingeschlagene Richtung der äußersten Reduktion der Form knüpften u. a. H. Arp, H.-G. Adam und É. Hajdu an. Arp war einer der Initiatoren des Dadaismus und gehörte zu den Vertretern des Surrealismus. Zu beiden Bewegungen lieferte M. Duchamp wichtige Beiträge. Seine »Readymades« der 20er-Jahre waren eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung der Objektkunst und der Pop-Art in den 60er-Jahren. Die Spanier J. González und P. Gargallo, der Russe O. Zadkine, der Litauer J. Lipchitz und der Schweizer A. Giacometti entnahmen dem Pariser Kunstklima Anregungen und wirkten ihrerseits befruchtend auf die französische Kunst. Bedeutend für die Entwicklung der kinetischen Kunst in Frankreich wurde der 1960 gegründete Groupe de Recherche d'Art Visuel. Mit Kinetik experimentierten ferner N. Schöffer, der Pole P. Kowalski, der Belgier P. Bury und die Griechen Takis und C. Xenakis. J. Tinguely schloss sich der neodadaistischen Bewegung des Nouveau Réalisme an, der u. a. César, Arman, D. Spoerri sowie Niki de Saint Phalle angehörten und die seit Mitte der 60er-Jahre große burleske Frauenfiguren aus bemaltem Polyester gestaltet. Das Werk F. Stahlys umfasst sowohl organisch-naturhafte als auch streng abstrakte Formen. Im Mittelpunkt der Arbeiten von J. R. Ipoustéguy steht die menschliche Gestalt, die er bis ins Groteske verzerrt. Die Metallplastiken Alain Kirilis (* 1946) sind von der Minimalart geprägt. Die kleinformatigen Rekonstruktionen antiker Ruinen und fiktiver Grabungsfunde von Anne und P. Poirier gehören zur Richtung der Spurensicherung. Jean-Marie Bertholin (* 1936) bewegt sich mit seinen Objekten und Environments im Bereich der individuellen Mythologie wie auch Étienne-Martin. Mit Objekten, Raum- und Lichtinstallationen, die im Bereich neokonzeptueller Kunst anzusiedeln sind, arbeiten Künstler wie P. Raynaud, Jean-Marc Bustamante (* 1952), Jean-Pierre Raynaud (* 1939), Jean-Luc Vilmouth (* 1952), Fabrice Hybert (* 1961), Ange Leccia (* 1952) und Philippe Perrin (* 1964). Sie thematisieren Kunst, Sehgewohnheiten, Künstlerleben, Kunstbetrieb, Konsumgesellschaft und die moderne Kommunikationsgesellschaft. C. Boltanski beschäftigt sich in Aktionen und Installationen u. a. mit der europäischen Geschichte (auch in Deutschland, z. B. »Archiv«, 1991; Hamburger Kunsthalle).
 
 
Auch im 19. und 20. Jahrhundert brachte Frankreich einen großen Reichtum an Malerei und Grafik hervor. Zu Davids Schülern gehörten u. a. F. Gérard, der besonders als Porträtist geschätzt wurde, und J.-A. Gros, der wie sein Lehrer die Person und die Taten Napoleons I. verherrlichte. P.-P. Prud'hon milderte unter dem Einfluss der italienischen Renaissance die Strenge klassizistischer Formen und wurde so ein Vorläufer der französischen Romantik, die von T. Géricault (»Floß der Medusa«, 1818/19; Paris, Louvre) eingeleitet wurde und in den Werken von E. Delacroix ihren Höhepunkt erreichte (»Massaker von Chios«, 1824; ebenda). Sie bedeutete den Sieg der Farbe über die Zeichnung und wurde von J. A. D. Ingres, der die klassizistische Tradition über die Jahrhundertmitte hinaus fortführte (»Das türkische Bad«, 1862; Paris, Musée d'Orsay), erbittert bekämpft. Sein Schüler T. Chassériau entwickelte in seinen Porträts und Wandbildern eine Synthese beider Richtungen. Zu den bedeutenden Zeichnern und Grafikern des 19. Jahrhunderts gehörte allen voran der Illustrator G. Doré, ihm folgten der zu seiner Zeit verkannte R. Bresdin und C. Méryon. Daumier überragte als Karikaturist und Lithograph seine Zeitgenossen Grandville und P. Gavarni. Als Maler fand er erst nach seinem Tod Anerkennung. Die Maler der sich nach 1835 bildenden Schule von Barbizon, zu der u. a. C. Corot, T. Rousseau, C. F. Daubigny und zeitweise auch J.-F. Millet gehörten, waren mit ihren vor der Natur gemalten »intimen Landschaften« Vorläufer der Impressionisten. G. Courbet, der von sozialrevolutionären Ideen geleitete Hauptvertreter des Realismus (»Begräbnis in Ornans«, 1849; Paris, Musée d'Orsay), stieß mit seiner Kunstauffassung auf den Widerstand von Akademien, Publikum und Kunstkritik, die auch den sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchsetzenden Impressionismus ablehnten. Dieser bot, bestimmt durch das Ziel, flüchtige Naturstimmungen festzuhalten, eine neuartige Behandlung von Licht- und Farbeindrücken, Perspektive und Bildausschnitt. Zu seinen Vertretern gehörten É. Manet, Degas, C. Monet, Renoir, A. Sisley und C. Pissarro. P. Cézanne führte die von den Impressionisten eingeleitete Tendenz zur Flächigkeit des Bildes weiter und formte seine Motive aus in ihrer Helligkeit abgestuften Farbflächen. Seine Analyse der Bildstruktur war Voraussetzung für die Kunst des 20. Jahrhunderts. G. Seurat entwickelte die Technik des Pointillismus (Neoimpressionismus), in der ihm sehr bald P. Signac folgte. Den Symbolismus vertraten u. a. P. Puvis de Chavannes, G. Moreau und O. Redon sowie P. Gauguin und die Nabis (P. Bonnard, M. Denis, É. Vuillard u. a.). Er spielt auch im Werk des ab 1886 in Frankreich lebenden V. van Gogh eine wichtige Rolle. Gauguins Werke waren neben denen van Goghs von besonderem Einfluss auf die Vertreter des Fauvismus. Zu ihnen gehörten u. a. H. Matisse, M. de Vlaminck, A. Derain, ferner G. Rouault, der sich in seinen späteren Werken dem Expressionismus zuwandte. H. de Toulouse-Lautrec setzte mit seinen Lithographien Maßstäbe für die Grafik nach der Jahrhundertwende, v. a. auf dem Gebiet der Plakatkunst, die ebenso J. Chéret wichtige Impulse verdankt. Ein bedeutender Außenseiter war der naive Maler H. Rousseau.
 
In Anknüpfung an die Malerei Cézannes begründeten P. Picasso (»Les Demoiselles d'Avignon«, 1907; New York, Museum of Modern Art) und G. Braque (»Häuser in L'Estaque«, 1908; Bern, Kunstmuseum) 1907/08 in Paris den Kubismus, dem sich J. Gris anschloss. Der Kubismus bildete den Ausgangspunkt des künstlerischen Schaffens von F. Léger und war Grundlage für den von R. Delaunay entwickelten Orphismus. Den in den 20er-Jahren sich ausbreitenden Surrealismus, dessen Programm zunächst von Pariser Literaten (A. Breton, G. Apollinaire) entworfen wurde und viele Anregungen vom Dadaismus übernahm, bestimmten vorwiegend F. Picabia, Duchamp, A. Masson, Y. Tanguy, Arp, R. Magritte, M. Ernst, S. Dalí und J. Miró. Paris hatte sich zu einem Zentrum moderner Kunst entwickelt, das auch viele Maler aus dem Ausland anzog (École de Paris). Zu ihnen gehörten u. a. M. Chagall, C. Soutine, J. Pascin, M. Kisling sowie A. Modigliani. Matisse und Picasso wirkten als Leitbilder.
 
Zwischen 1931 und 1936 war die Gruppe Abstraction-Création ein Sammelbecken aller Richtungen der abstrakten Kunst, die sich erst nach 1945 unter der Führung der Maler der École de Paris in Frankreich allgemein durchsetzte mit Malern wie R. Bissière, J. Bazaine, A. Manessier, F. Fautrier, H. Hartung, P. Soulages, N. de Stäel, Maria Elena Vieira da Silva, S. Poliakoff, Wols, G. Mathieu, J.-P. Riopelle (informelle Kunst). J. Dubuffets Ausgangspunkte waren Kinderzeichnungen und die Kunst Geisteskranker, die er als unverfälschten Ausdruck der Sensibilität betrachtete (»Art brut«). Von der Mitte der 50er-Jahre an wurde die Op-Art entwickelt. Ihr wichtigster Vertreter ist der in Ungarn gebürtige V. Vasarély. Der venezolanische Künstler R. Soto stellte eine Verbindung zwischen Op-Art und Kinetik her. Die »Nuagistes«, die zwischen 1954 und 1965 eine atmosphärisch-leichte Malweise pflegten, schlugen in der Folgezeit sehr unterschiedliche Richtungen ein. Zu ihnen gehörten Jean Messagier (* 1920), Frédéric Benrath (* 1939), René Duvillier (* 1919) und Pierre-Alexandre Graziani (* 1932). Bernard Réquichot (* 1929, ✝ 1961) fügte in seine Bilder Collagen ein. Y. Klein vermittelte zwischen Objektkunst, Aktionskunst und Conceptart. Klein gehörte wie François Dufrêne, R. Hains, Villeglé und M. Raysse zur Gruppe des Nouveau Réalisme, die bis 1970 bestand. B. Vautier inszenierte in den 1960er-Jahren Fluxusveranstaltungen. In der Tradition der Conceptart und des französischen Fluxus stehen J. Le Gac, Gérard Gasiorowski (* 1930), der Maler Claude Viallat (* 1936), Mitbegründer der Gruppe Supports/Surfaces Ende der 60er-Jahre, und Nathalie Tison (* 1966). Die abstrakte und konzeptuelle Malerei wird von Künstlern wie Bertrand Lavier (* 1949), Jean-Pierre Bertrand (* 1937), Pierre Dunoyer (* 1949), Lucas L'Hermite (* 1943), Martin Barré (* 1924) und Bernard Piffaretti (* 1955) repräsentiert. Gérard Garouste (* 1946), der auch als Bildhauer arbeitet, beschwört in pastosen figurativen Gemälden kulturelle Erinnerungen des Abendlandes. Eine Außenseiterrolle spielt Balthus, der seinem realistischen Stil und dem Motiv halbwüchsiger Mädchen über Jahrzehnte treu blieb. B. Rancillac, der in den 60er-Jahren eine französische Variante der Pop-Art entwickelte, wandte sich anschließend dem kritischen Realismus zu. Politisches Engagement prägt auch die Bilder des in Paris lebenden Spaniers E. Arroyo. J. Monory arbeitet nach fotografischen Vorlagen. L. Cane, Vincent Bioulès (* 1938), Viallat, Christian Jaccard (* 1939), Jean-Michel Meurice (* 1939) u. a. analysieren die Grundlagen der Malerei sowie die politische und ideologische Rolle des Künstlers. Die Erscheinungsweisen der Malerei reflektieren auch Claude Rutault (* 1941) und Benar Venet (* 1941) in ihren Werken, während D. Buren v. a. den geistigen und materiellen Kontext von Kunst hinterfragt. Gegen diese theoretischen, analytischen, konzeptuellen und auch figurativen Tendenzen wenden sich Norbert Cassegrain (* 1953), Jean-Yves Langlois (* 1946), Pierre Nivollet (* 1946), Christian Sorg (* 1941) und Dominique Thiolat (* 1946), die 1978-80 den »Groupe des cinq« bildeten. Sie vertreten eine überschwängliche, extrem subjektive Malerei. Von ihnen ging 1980 die Initiative zur Gründung der »Association Génie de la Bastille« aus, einer Künstlergemeinschaft, der auch Architekten, Designer, Fotografen und Musiker angehören. In den 80er-Jahren setzte sich auch in Frankreich eine den Neuen Wilden vergleichbare Richtung durch, die u. a. von den Verfechtern der »Figuration libre« wie Robert Combas (* 1958) und Hervé di Rosa (* 1959) sowie von J.-C. Blais verfolgt wird. Herausragende Leistungen im Bereich der grafischen Künste stellen die Farbradierungen J. Friedlaenders und die Zeichnungen Gérard Titus-Carmels (* 1942) dar. Im Bereich der multimedialen Künste arbeiten Paul-Armand Gette (* 1927), Françoise Quardon (* 1961) und Catherine Beaugrand (* 1953). Daneben entstand Anfang der 80er-Jahre eine »Straßenkunst«, die einige Parallelen zur amerikanischen Graffiti-Art aufweist. Die »Pochoiristen« (Schablonenkünstler), die meist mit Pseudonymen signieren, eignen sich den öffentlichen Raum als Ausstellungsfläche an. Als Väter dieser Richtung gelten Ernest Pignon-Ernest (* 1942) und Gérard Zlotykamien (* 1940).
 
 
Ihre Schwerpunkte lagen im 19. Jahrhundert auf dem Gebiet der Porträt- (F. T. Nadar), der Landschafts- (G. Le Gray; die Brüder Louis-Auguste Bisson, * 1814, ✝ 1876, und Auguste-Rosalie Bisson, * 1826, ✝ 1900) und der Architekturfotografie (H. Bayard; C. Marville; Henri Le Secq, * 1818, ✝ 1882; Éduard-Denis Baldus, * 1820, ✝ 1882; E. Atget). Étienne-Jules Marey (* 1830, ✝ 1904) experimentierte mit der fotografischen Erfassung von Bewegungsabläufen. Mit Fotografen wie M. Ray, Germaine Krull, A. Kertész und Brassaï wurde Paris in den 20er- und 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts auch zu einem Mittelpunkt der fotografischen Kunst. Die Bilder H. Cartier-Bressons waren wegweisend für die Dokumentarfotografie. Gisèle Freund trat mit Porträtaufnahmen und Fotoreportagen hervor. Jean-Loup Sieff (* 1933) begann als Fotoreporter und war später auch Mode- und Werbefotograf. Gette, Boltanski, Le Gac, Annette Messager (* 1943) und Didier Bay (* 1944), Vertreter der »Spurensicherung«, bedienen sich der Fotografie, um individuelle Erfahrungen zu dokumentieren. Die Fotografen Louis Jammes (* 1958) und Philippe Bazin (* 1954) setzen sich mit dem Bild des Menschen auseinander.
 
 
und Industriedesign: Im 19. Jahrhundert wurde Nancy ein Zentrum der Glaskunst und der Möbelherstellung. Dort arbeiteten u. a. É. Gallé, die Manufaktur Daum sowie der Möbeldesigner Louis Majorelle (* 1859, ✝ 1926). Auf dem Gebiet der Keramik waren die Werke Ernest Chaplets (* 1835, ✝ 1909) und seines Nachfolgers Auguste Delaherche (* 1857, ✝ 1940) richtungweisend. Paris blieb führend auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst (A., G. und J. Fouquet, R. Lalique, J. Puiforcat). Als Förderer von Art nouveau und Art déco spielte der Pariser Kunsthändler Samuel Bing (* 1838, ✝ 1905) eine wichtige Rolle. Für ihn arbeiteten auch Gallé, Lalique und die Innenraumgestalter G. de Feure und E. Gaillard. Möbel und Innenausstattungen im Stil der Art déco schufen ferner É.-J. Ruhlmann und P. Chareau. Der aus Russland stammende Erté war besonders erfolgreich mit Mode- und Kostümentwürfen. Ab 1927 gestaltete Le Corbusier, meist in Zusammenarbeit mit Charlotte Perriand (* 1903) und P. Jeanneret, seinem Bruder, Möbel in modernen, zukunftweisenden Formen. 1930 schlossen sich Vertreter eines sachlichen, auf Zweckmäßigkeit ausgerichteten Stils zur »Union des Artistes Modernes« zusammen; führende Mitglieder waren neben Mallet-Stevens, Chareau und Perriand die Designer René Herbst (* 1891) und Eileen Gray (* 1878, ✝ 1976). Die Bildwirkerei wurde in den 1930er-Jahren neu belebt durch J. Lurçat. Nach 1945 erbrachten Jean Lerat (* 1913), Elisabeth Joulia (* 1925), Gilbert Portanier (* 1926) und Jean Biagini (* 1941) hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Keramik. Als Designer traten u. a. Roger Tallon (* 1929) und Olivier Mourgue (* 1939), P.-P. Starck sowie die Bildhauer François Xavier Lalanne (* 1927) und François Bauchet (* 1948) hervor.
 
 
L. Hautecœur: Histoire de l'architecture classique en France, 11 Bde. (Paris 1-21950-80);
 
Die roman. Malerei vom 11. bis zum 13. Jh., bearb. v. A. Grabar u. a. (a. d. Frz., Genf 1958);
 
Frz. Malerei. Das 19. Jh., bearb. v. J. Leymarie (a. d. Frz., ebd. 1962);
 
Frz. Malerei. Von Fouquet bis zu Poussin, bearb. v. A. Châtelet u. a. (a. d. Frz., ebd. 1963);
 
Frz. Malerei. Von Le Nain bis zu Fragonard, bearb. v. J. Thuillier u. a. (a. d. Frz., ebd. 1964);
 M. Aubert: Roman. Kathedralen u. Klöster in Frankreich (a. d. Frz., 1966);
 H. Jantzen: Kunst der Gotik. Klass. Kathedralen Frankreichs (59.-63. Tsd. 1966);
 J. Gantner u. a.: Gallia Romanica (41970);
 W. Graf Kalnein u. M. Levey: Art and architecture of the eighteenth century in France (Harmondsworth 1972);
 A. Tronche u. H. Gloaguen: L'Art actuel en France. Du cinétisme à l'hyperréalisme (Paris 1973);
 R. Huyghe: La relève du réel. La peinture française au 19e siècle. Impressionisme, symbolisme (ebd. 1974);
 R. Huyghe: La relève de l'imaginaire. La peinture française au 19e siècle. Réalisme, romantisme (ebd. 1976);
 S. Bracco: Le »Villes nouvelles«. I sistemi metropolitani in Francia (Mailand 1976);
 W. Friedlaender: Hauptströmungen der frz. Malerei von David bis Delacroix (1977);
 E. von Witzleben: Les vitraux des cathédrales de France (Paris 41977);
 F. Avril: Buchmalerei am Hofe Frankreichs. 1310-1380 (a. d. Frz., 1978);
 A. Braham: The architecture of the French enlightenment (London 1980);
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 J.-M. Pérouse de Montclos: L'architecture à la française. XVIe, XVIIe, XVIIIe siècles (Paris 1982);
 
Die frz. Malerei, bearb. v. H. Damisch u. a. (a. d. Frz., 1983);
 M. Hesse: Von der Nachgotik zur Neugotik. Die Auseinandersetzung mit der Gotik in der frz. Sakralarchitektur des 16., 17. u. 18. Jh. (1984);
 R. Jullian: Histoire de l'architecture en France de 1889 à nos jours (Paris 1984);
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 K. Gellér: Frz. Malerei des 19. Jh. (a. d. Ungar., Budapest 1985);
 D. Kimpel u. R. Suckale: Die got. Architektur in Frankreich (1985);
 W. Prinz u. R. G. Kecks: Das frz. Schloß der Renaissance (1985);
 U. Albrecht: Von der Burg zum Schloß. Frz. Schloßbaukunst im Spätmittelalter (1986);
 A. Boime: The Academy and French painting in the nineteenth century (New Haven, Conn., 1986);
 
Die Kunst der Zisterzienser in Frankreich, bearb. v. M.-A. Dimier u. a. (a. d. Frz., 1986);
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 W. Szambien: Symétrie, goût, caractère. Théorie et terminologie de l'architecture à l'âge classique 1550-1800 (Paris 1986);
 R. Hamann: Kunst u. Askese. Bild u. Bedeutung in der roman. Plastik in Frankreich (1987);
 A. Prache: Romanik der Île-de-France (a. d. Frz., 1987);
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 H. Schardt: Die frz. Plakatkunst. Paris 1900 (1987);
 M. L. Syring: Kunst in Frankreich seit 1966 (1987);
 I. Tetzlaff: Roman. Portale in Frankreich (51988);
 I. Tetzlaff: Roman. Kapitelle in Frankreich (71992);
 
L'amour de l'art. Une exposition de l'art contemporain en France, Beitrr. v. Y.-A. Bois u. a., Ausst.-Kat. (Lyon 1991);
 
Contemporary European architects, Beitrr. v. W. Ansomeit u. a., 3 Bde. (1991-95);
 
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Architektur in Europa seit 1968, Einf. v. A. Tzonis u. a., Beitrr. v. L. Burckhardt u. a. (a. d. Engl., 1992);
 
Das neue Paris, Beitrr. v. H. A. Jahn (21993);
 C. Millet: L'art contemporain en France (Paris 31994).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Barbizon und die Freilichtmalerei: Zurück zur Natur
 
barocke Malerei in Frankreich: Schrecken des Krieges und ideale Landschaften
 
Fauvismus: »Donatello unter den wilden Tieren«
 
französische Malerei des 18. Jahrhunderts: Koketterie und Anmut
 
gotische Malerei in Deutschland und Frankreich
 
Impressionismus: Der Nachimpressionismus - »Eine Harmonie parallel zur Natur«
 
Impressionismus: Modern sehen, spontan malen
 
Romantik in Frankreich: Mit heißem Herzen und kühlem Kopf
 

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Französische Kunst — Französische Kunst. Die mannigfachen Elemente, welche die französische Nation zusammensetzen, u. die eigenthümliche Lage Frankreichs, dessen weit gestreckte Meeresküsten im Süden den Völkern Italiens, im Norden denen Britanniens u. Skandinaviens… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Französische Kunst — Französische Kunst. Dieselbe war im Mittelalter ungefähr auf demselben Standpunkte wie in Italien u. Deutschland; die Baukunst entwickelte gegen Ende des 11. Jahrh. den Rundbogen oder roman. Styl ziemlich rein, ging von diesem zu dem Spitzbogen… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Französische Kunst — Französische Kunst, s. ihre einzelnen Zweige in den Artikeln »Architektur«, »Bildhauerkunst«, »Malerei«, »Aquarellmalerei« und »Kupferstecherkunst« …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • französische Malerei des 18. Jahrhunderts: Koketterie und Anmut —   Der Tod Ludwigs XIV. 1715 und die anschließende Regentschaft Herzog Philipps II. von Orléans hatten einen tief greifenden Wandel im französischen Kulturleben zur Folge: Die Kunst wurde von nun an nicht mehr vorrangig in den Dienst des höfischen …   Universal-Lexikon

  • Französische Malerkunst — Französische Malerkunst, s.u. Französische Kunst …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Französische Literatur — Französische Literatur. Die s. L. hat zu zwei verschiedenen Zeiten ihren Einfluß über das ganze gebildete Abendland ausgedehnt. Zuerst geschah es im 12. und einem Teil des 13. Jahrh., als sie die europäischen Literaturen mit Stoffen der Erzählung …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • französische Literatur — französische Literatur,   die Literatur Frankreichs und die französisch sprachige Literatur Belgiens. Nach der Gliederung der französischen Sprachgeschichte unterscheidet man zwischen altfranzösischen (9. 14. Jahrhundert), mittelfranzösischen (14 …   Universal-Lexikon

  • Französische Literatur — Französische Literatur. Obgleich auch die F. L. dem allgemein gültigen Gesetze, daß die Literatur eines Volkes nur das geistig durch Rede u. Schrift objectirte Nationalbewußtsein modificirt durch den Zeitgeist, also das Ergebniß des… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Französische Revolution von 1789: Vom dritten Stand zur Nation —   Die Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 durch das Volk von Paris war ein spektakuläres, weil publikumswirksames Ereignis, dessen Nachricht sich in Windeseile in Frankreich und anschließend in ganz Europa verbreitete. Aber man würde aus… …   Universal-Lexikon

  • französische Philosophie — französische Philosophie,   die Philosophie des französischen Sprachraums, insbesondere Frankreichs, der französisch sprachigen Schweiz und Belgiens, deren Träger im Mittelalter wegen der zentralen europäischen Bedeutung der Universität Paris zu… …   Universal-Lexikon

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